IAEO Regelwerk

Das Regelwerk der IAEO definiert den aktuellen internationalen Stand von Wissenschaft und Technik und ist im Konsens der beteiligten Mitgliedstaaten verabschiedet worden. Es dient als Richtlinie für die Entwicklung nationaler kerntechnischer Regelwerke.

Das "Department of Nuclear Safety and Security" der IAEO ist unter anderem zuständig für die Bereitstellung der IAEO „Safety Standards Series“ (Regelwerke) für die Sicherheit kerntechnischer Anlagen, der Sicherheit von Strahlenquellen, Kernmaterialien und radioaktiven Stoffen, sowie dem sicheren Transport von radioaktivem Material und der Entsorgung radioaktiver Abfälle.

Die Safety Standards sind wie folgt gegliedert:

 

 

  • Safety Fundamentals [SF]
  • General Safety Requirements [GSR] (Anwendbar auf alle Einrichtungen und Aktivitäten)
  • Specific Safety Requirements [SSR] (Anwendbar auf spezifische Einrichtungen und Aktivitäten)
  • General Safety Guides [GSG] (Anwendbar auf alle Einrichtungen und Aktivitäten)
  • Specific Safety Guides [SSG] (Anwendbar auf spezifische Einrichtungen und Aktivitäten)

 

Die Bundesrepublik Deutschland beteiligt sich umfassend an der Weiterentwicklung der internationalen „Safety Standards“ der IAEO. Die Bundesregierung unterstützt den von der IAEO Generalkonferenz beschlossenen „Action Plan for the Development and Application of the IAEA Safety Standards“ [1]. Danach sollen die IAEO „Safety Standards“ als globale Referenz für ein weltweit hohes Maß an Schutz für den Menschen und die Umwelt vor den schädlichen Effekten ionisierender Strahlung dienen, weiterentwicklet und ihre Anwendung gefördert werden. Damit IAEO „Safety Standards“ hohe Qualität und Aktualität aufweisen, sollen die Mitgliedsstaaten, Erfahrungen mit diesen Standards einbringen und sich aktiv an der Weiterentwicklung beteiligen.

Deutschland ist in den entsprechenden Regelwerksgremien der IAEO vertreten. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) entsendet Vertreter in die „Commission on Safety Standards“ (CSS), EPReSC (Emergency Preparedness and Response), NUSSC (Nuclear Safety), RASSC (Radiation Safety), TRANSSC (Transport Safety) und WASSC (Waste Safety). Neue Erkenntnisse aus der Mitarbeit deutscher Vertreter in den Gremien werden vom BMUB in der nationalen Regelwerksarbeit- und praxis berücksichtigt.

Diese „Safety Standards“ stellen zwar für Deutschland keine verbindlichen Regelungen dar, haben aber aufgrund der Zusammenführung internationaler Erkenntnisse international Bedeutung erlangt. Darüber hinaus haben die Atomaufsichtsbehörden mehrerer Länder die Regelungen zum Teil für sich als verbindlich erklärt.

Das BMUB betrachtet die IAEO Regelwerksarbeit als ein wichtiges Instrument zur Bestimmung der Anforderungen an die Gefahrenabwehr und Risikominderung bei der friedlichen Nutzung der Kernenergie im In- und Ausland und darüber hinaus bei der Anwendung ionisierender Strahlung in Medizin und Industrie. Die Standards der IAEO tragen zur Bestimmung des Standes von Wissenschaft und Technik bei.

Derzeit werden die IAEO „Safety Standards“ nach den Vorgaben des „Action Plan for the Development and Application of IAEA Safety Standards“ überarbeitet. Danach sollen die IAEO-Standards ca. alle 5 Jahre auf Aktualisierungsbedarf geprüft und notwendige Weiterentwicklungen sichergestellt werden. Der von der IAEO sowie den Mitgliedsstaaten gesehenen Notwendigkeit im Lichte Fukushimas alle IAEO Safety Standards einer Überprüfung auf Überarbeitung zu unterziehen, setzt den 5-Jahres-Rhythmus der Überarbeitung nun vorerst außer Kraft. Alle teilnehmenden Nationen sind sich absolut einig, dass zumindest eine Überprüfung der Safety Standards jetzt stattfinden muss.

Weiterführende Informationen zu der Entwicklung von Safety Standards finden Sie hier.

 

[1] Measures to Strengthen International Cooperation in Nuclear, Radiation and Transport Safety and Waste Management, GOV/2004/6, IAEA Board of Governors, IAEA, Vienna 2004